Der AlltäGliche Horror

xy12 08 Dezember, 2009 00:31 Vollschaden Permalink Trackbacks (0)

Ich liebe Horrormeldungen. Nee ehrlich. Die haben was. Sie jagen mir so ein feines Nervenkitzeln den Rücken hinunter.

"Ihr Finanzamt freut sich Ihnen mitteilen zu dürfen: für die Jahre 2006,7,8 steht eine Steuerprüfung an. Wir rechnen mit >>erheblichen Nachzahlungen<<..."
(Ja genau. Dann werden sie wieder sechs Monate lang prüfen, ich darf Hunderte von Belegen nachreichen - um am Ende 185 Euro nachzuzahlen. Mehr kommt nämlich selten raus. Ich bin nämlich ein notorisch ehrlicher Steuerbürger. Aber vorher habe ich noch mal den gleichen Betrag in Kopiergebühren gesteckt und das Klima mittels Dauerkopieren ernsthaft beschädigt.)

"Hiermit teilen wir Ihnen mit: Ab 01.01.2010 benötigen Sie eine grüne Plakette im Auto. Bitte geben Sie umgehend 1100 Euro aus, damit wir Ihnen den notwendigen Feinstaubfilter einbauen können..." (Na super - das war es dann mit Weihnachten. Fällt dieses Jahr aus. Bin pleite! Macht aber auch nichts. Dann kommt der Feinstaub nicht mehr aus dem Auspuff - sondern von den Reifen. Oder den Heizungen. Oder dem LKW Verkehr von der nahen Autobahn. Oder von den landenden Flugzeugen - denen kann man den Dreck schon förmlich ansehen, wenn sie über meine Klinik brausen und zur Landung ansetzen...)

"Die Regierung hat eine neue erfolgreiche Gesundheitsreform verabschiedet..."
(Das Dingens kann man nahezu unkommentiert stehen lassen. Im Klartext heisst das immer das Gleiche: die Gesundheitskosten werden explodieren. Damit implizit: wir haben Reisekosten, Papier und Belege produziert bis Unmengen an Wälder platt gegangen sind.)

Oder jetzt: "Forscher haben herausgefunden. Der Meeresspiegel wird bis zum Jahr 2100 um Hunderte Meter steigen. Wir werden alle absaufen..." Oder um einen Meter. Ist ja auch egal.  Absaufen werden wir dennoch...

Horrormeldungen sind das Lebenselixier meistens unwichtiger Hansels. Die nehmen sich zu wichtig. Wenn sie ernsthaft etwas auf den Kosten hätten, wären sie nicht Verwaltungsbeamte geworden. Oder Politiker. Oder Froscher. Auf jeden Fall hätten sie keinen Beruf ergriffen bei dem sie auf Kosten der Allgemeinheit leben. Sondern stattdessen: Regisseur oder Romanschreiber. Dann hätten sie Filme wie "Die Vögel" drehen können - und sich dafür dicke bezahlen lassen. Das hatte was. Das war Klasse. So hingegen verballern sie Unmengen an meistens nicht von ihnen selbst verdienter Asche, um die Welt mit ihren Horrormeldungen aufzuschrecken. Pah. Erbärmlich. Und fürchten muss man sich sowieso. Nicht vor ihren Horrorvisionen - sondern vor den Kostenbelastungen, die ihnen so einfallen, um den Horror angeblich / scheinbar / eventuell / vielleicht abzuwenden. Nicht dass es ernsthaft einen Erfolg verspräche - aber sie brauchen die Knete, um sie wieder zu verprassen.

Was ich damit sagen will: wir werden ohnehin krepieren. Irgendwann wird die Sonne auf die Erde knallen. Oder erkalten. Oder sich überhitzen. Oder ein Meteorit wird das Ganze vorzeitig beenden. Oder ein Virus - nee, nicht die Schweingrippe. Oder - oh wie blöde: Herzinfarkt, übermässiger Tabakkonsum oder übermässige Aufregung weil man die Tageszeitung gelesen hat. Und wer jetzt meint: das wäre ein typisches Menschenschicksal... - weit gefehlt. Die Dinosaurier sind auch drauf gegangen. Und die hatten weder Finanzämter, Gesundheitsreformen oder Klimakonferenzen. Aber wer weiss - vielleicht wären sie ja früher krepiert, wenn sie das alles gehabt hätten...

Darum merke: in jungen Jahren erzählt man den Kindern Geschichten vom schwarzen Mann. In alten Jahren erzählt man den Bürgern Geschichten von irgendwelchen anderen Sachen. Meistens stimmt weder das eine noch das andere. Sozusagen: Grusel, um ein Ziel zu erreichen. Und wer die Geschichten glaubt hat eigentlich selbst schuld. (Aber der zeigt irgendwie auch, dass er zu blöde / zu faul / zu dumm zum Denken ist.)

 

 

 


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