Wirtschaftskrise? Out! Politikerversagen? Out! Bundestagswahl? Out. Schweinegrippe? Fast OUT. Sterben zu wenig, um das regelmässig in der Presse zu halten. Freitod von irgendwelchen Fussballspielern? IN! Noch besser: Depression! Mega IN. Krankheit. Kann jeden befallen. Müssen wir darüber schreiben. Zumindest solange bis etwas Anderes kommt oder die Schweinegrippe richtig zuschlägt...
Vereinfacht gesagt: Mir geht das Bohei um den toten Torwart da in Hannover mächtig auf den Geist.
Der Mann hat sich selbst umgebracht. In grauer Vorzeit gab es für solche Menschen noch nicht einmal einen Platz auf dem Friedhof. Die wurden irgendwo in einer Ecke verscharrt.
Der Mann hat Familie und Angehörige in Stich gelassen. So schlimm das für die ist - so hat er im Tode noch in egoistischer Art und Weise haufenweise andere Leute mit seinem Tod belastet. Den Zugführer. Der darf jetzt damit leben jemanden getötet zu haben. Evtl darf er sich in psychologische Behandlung begeben. Das wiederum zahlen die Bahnreisenden - über den Fahrpreis. Ebenso durften die Leute im Zug da stundenlang auf der Strecke herumstehen, bis Ordnungskräfte die Überreste von den Schienen gekratzt haben. Meine Meinung ist da ganz simpel: Wenn man sich schon umbringt, dass sollte man das wenigstens in aller Stille tun. Und nicht noch haufenweise andere Leute mit den eigenen Problemen und Folgen belasten.
Aber eigentlich geht das noch weiter. Fussballer sollen ja Vorbild sein. Immer wenn sich Leute vor den Zug werfen machen das Andere nach. Bereits eine Woche später hat sich in der Region Hannover erneut jemand vor den Regionalzug geworfen - und eine stundenlange, sauteure Rettungs-, Berge- und was auch immer Aktion ausgelöst. Mit all den o.a. Folgen...
So gibt der Ex Starfussballer ein tolles Vorbild für die Jugend: Leute - ihr kommt mit euren Problemen nicht klar - Selbstmord ist ein Ausweg!!! Super gelaufen! Da freut sich doch jeder 16jährige mit Liebeskummer. Der Hr. Podolski zeigt wie man seine Mitspieler vor laufender Camera verprügelt (ohrfeigt) - der Hr. Enke demonstriert erfolgreich eine andere Art der Lebensproblembewältigung...
Und überhaupt. Vor einigen Monaten hat der Mann ein Kind adoptiert. Ich dachte immer da müsste man haufenweise Papierkram ausfüllen. Ich dachte das Adoptionsamt schaut sich die Familie an. Was hat er denn bei der Frage nach psychischen Problemen angeben? Das er mit dem Leben nicht klarkommt? Dass er haufenweise Medikamente dagegen nimmt? Oder gibt es die Frage nicht - oder hat er sie falsch beantwortet? Was macht so ein Adoptivamt eigentlich? Sind die auf beiden Augen blind - oder geben die frohgemut ihre Kinder weg - Hauptsache die Berühmtheit der Zielfamilie stimmt?
Und wenn wir schon so weit sind: was wird man irgendwann mal dem Adoptivkind über seine Väter erzählen? Es sind ja schon zwei - und vermutlich irgendwann drei. Vater 1: Liebes Kind - da wissen wir nix drüber. Oder Säufer, Alkoholiker - oder whatever. Und Vater 2: nun, der hat sich umgebracht - kurz nachdem du in unsere Familie gekommen bist... Super! Das ist doch eine Hypothek, die nimmt man gerne mit ins Leben...
Wenn ich dann schlussendlich sehe wie 40.000 Leute die Leiche abfeiern - von denen die meisten den Mann nur im Fernsehen gesehen haben - dann widert mich das regelrecht an. Der Mann hat seinen Tod selbst gewählt. Das darf er tun. Seine Familie muss damit leben. In diesem Fall: der Zugführer auch. (Hoffentlich holt sich die Bahn die Kosten bei der Familie wieder.) Freitod und die Folgen aber öffentlich zu zelebrieren und dabei fast eine Massenpsychose auszulösen ist eine Art und Weise, die bei mir körperliches Unbehagen auslöst!

das hast du treffend formuliert. Ich versteh diesen Hype auch nicht. Heulen auf hohem Niveau....
geschrieben von Anne — 16 Nov 2009, 15:43
... ich hatte schon Angst, ich bin mit meiner ablehnenden Meinung recht einsam! LG xy12
geschrieben von xy12 — 17 Nov 2009, 00:52