Lieber Herr Vater Guttenberg, sehr geehrer Herr Dirigent Enoch zu Guttenberg,
auch wenn die Kinder bereits erwachsen sind, manchmal wird es Zeit, dass ältere und weisere Personen das Wort ergreifen und ein Machtwort sprechen.
Mit Sorge darf man vernehmen, dass Ihr Sohn Karl Theodor sich, seine eigene und letztlich auch Ihre Familie der Lächerlichkeit preisgibt. Sein höchster Doktortitel war durch, nun ja, der Volksmund spricht von: Betrug und Täuschung erlangt. Das Verhalten Ihres Sohnes in den letzten 7 Tagen dieser unseligen Affäre war geprägt von, nun, hier verwendet der Volksmund das schreckliche Wort: Lügen.
Auch wenn es erschreckend ist, heute erwartet das Volk von seinen Politikern keine Ehre mehr. Ehre und Moral sollten aber hingegen die Maßstäbe sein, die anständige Menschen an sich selber legen und die wesentlich mehr Wert haben sollten, als eine berufliche Karriere um jeden Preis.
Manchmal, jeder Vater kennt das, prescht der Nachwuchs zu weit vor. Ungestümheit, Unbekümmertheit und vielleicht auch Folgen einer fehlgeleiteten Karrierewut, erzeugen Situationen, die u.U bittere Konsequenzen nach sich ziehen. Doch so hart die Konsequenzen auch manchmal für den Einzelnen sein mögen – viel Schlimmer ist es, wenn eine Sache, ein Name oder eine Firma nachhaltig und für alle Zeiten durch einen wie auch immer entsttandenen Fehltritt irreparabel beschädigt werden. Wenn Wiedergutmachung niemals erlangt werden kann, weil die angerichtete Schmach zu groß ist.
Glaubt man der Geschichtsschreibung hatten Ihre Vorfahren für solche Fälle die geladene Pistole im Schreibtisch. Der japanische Samurei brachte sich um, wenn er über seine oder über die Familie des Dienstherrn Schande gebracht hatte. Ehre und Moral waren Sachen, deren Verlust man mit dem freiwilligen Tode bezahlte. Glücklicherweise leben wir heute in anderen Zeiten. Die Konsequenzen eines Fehlverhalten sind heute leichter zu ertragen. Aber: nich timmer sind die Ratschläge aus dem karrieretechnischen Umfeld des Betroffenen die wirklich klugen Ratschläge. Ich habe heute Ihren Sohn auf Phönix gesehen. Im Livestream des. dt. Bundestages. Eine Räumlichkeit, die dem Volke gewidmet ist. Ich habe erlebt, wie er sich in diesen Räumlichkeiten erneut Lächerlichkeit preisgegeben hat – und eigentlich selbst nicht mehr sein Fehlverhalten zu erklären vermag. Auch wenn ihm seine politischen Freunde verziehen, was ihm seine politischen Feinde neiden – ein Land besteht aus mehr als Politikern. Und leider - Teile der Regierung verstehen nicht, das es heute das Internet gibt und wie es funktioniert. Was einmal dortEinzug gehalten hat, kann man nicht mehr löschen.
Soll Ihr Name Guttenberg wirklich für alle Zeiten mit einer Plagiatsaffäre und dem unseligen Herumlavrieren Ihes Sohnes in Verbindung gebracht werden?
Soll der Name eine Lächerlichkeit werden, die man mit Kopieren / Abschreiben/ Plagiaten / Lügen in Verbindung bringt - auf dem Niveau eines alten Ostfriesen- oder Blondinenwitzes?
Wie werden die Schüler zukünftiger Generationen urteilen, wenn sie eine Hausarbeit über die Regierung 2010 schreiben müssen – und auf Ihren Familiennamen mit diesen fürchterlichen Begleitumständen treffen?
Ja ganz konkret – wie will Ihr Sohn seine eigene Kinder (Ihre Enkel) noch zu anständigen und ehrbaren Menschen erziehen, wenn er selbs tbelastet wird von dieser Affäre und seinem katastrophalen,an Lächerlichkeit grenzendem Verhalten?
Glaubt man der Presse, erschleichen sich heute viele Menschen illegal Bilder, Texte, Lieder und Filme aus dem Internet. Sie klauen und brechen Gesetze. Werden sich diese Leute demnächst mit der Argumentation Ihres Sohnes "Gebe ich zurück. Benutze ich nicht mehr. Dann mache ich denGuttenberg..." aus der Affäre zu ziehen?
Auch ich kann mich erinnern in meiner Kindheit mal Sachen gemacht zu haben, die, nun ja irgendwie, dumm waren. Mein Vater teilte mir mit sehr unverblümten Worten mit, dass ich die Konsequenzen dieser Sache selbst ausbaden muss. Das Ertragen der Strafe war hart – es hat mich aber auch gelehrt in Würde zu altern. Heute bin ich froh überdiese Erfahrung.
Ihr Sohn fühlt sich vielleicht zur Politik hingezogen. Parteifreunde suggerieren, dass die Sache mit „Rückgabe“ des wohl zu Unrecht erlangten Doktortitels ausgestanden ist. Eine Kleinigkeit. Verzeihlich – hauptsache die Karriereshow geht weiter.
Doch: Ihr Sohn ist Mitglied einer konservativen Partei mit dem Wort christlichim Namen. Mit Konservativ und dem Christentum verbinden Menschen seit je her Ehre, Moral, Anstand – und auch die Notwendigkeit büßende Sanktionen zu ertragen, wenn gegen gegen die Prinzipieen verstoßen wurde.
Ich denke / bin mir sicher, Ihre Familie hat es nicht nötig, dass Ihr Sohn im aktuellen Politikgeschäft bis zur Selbstaufgabe sein Überleben suchen muss. Lieber jetzt ein Rücktritt in Ehren – und vielleicht in ein paarJahren ein unbelasteter Neuanfang. Die Zeit dazwischen – ich glaube in Ihrer Familie gibt es genügend Möglichkeiten, für einen intelligenten Menschen wie Ihren Sohn.
Daher,vielleicht muss man manchmal Menschen vor dem eigenen Ehrgeiz retten. Meine Bitte: greifen Sie ein! Lassen Sie es nicht zu, dass Name, Titel und Personen dauerhaft belastet werden und mit einem im Internet bis in alle Ewigkeit nachlesbaren Lächerlichkeits- und Urheberechts Skandal in Verbindung stehen! Greifen Sie ein – und gebieten Sie Ihrem Sohn Einhalt. Vielleicht nicht im Interesse des Landes und Ihnen nahestehender Parteien. Aber im Interesse Ihres Sohnes, Ihrer eigenen Familie, anderer Titelträger und auch dem Ansehen der Universitäten dieses Landes.
Ehre,Moral und Anstand mögen selten geworden sein in diesen unseren Tagen. Aber wie können wir das als Land beklagen, wenn selbst Vertreter alter Adelsgeschlechter dieses Verhalten nicht mehr glaubwürdigkeitswirksam aufbringen können?
Vielen Dank